Doris Hahn

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Schule in Zeiten von Corona

Ein halbes Jahr lang gab es aufgrund der Covid-Krise keinen täglichen, geregelten Unterricht in der Schule im gesamten Klassenverband und mit allem, was die Schule eigentlich ausmacht.

Nun soll es also wieder „normal“ losgehen. Wenngleich sich PädagogInnen und auch viele Schüler/innen wieder auf den Schulalltag freuen, herrscht bei allen Beteiligten eine große Verunsicherung.

 

Heute beginnt im Osten Österreichs für tausende Schülerinnen und Schüler ein neues Schuljahr. Ein Schulbeginn wie es ihn so vermutlich noch nie gegeben hat. Auf der einen Seite herrscht die gewohnte Vorfreude auf Freundinnen und Freunde, auf gemeinsame Erlebnisse. Und natürlich gibt es da und dort auch ein Bedauern, dass die Sommerferien nun zu Ende sind. So weit so „normal“. Doch was in diesem Jahr besonders die letzten Tage der Ferien geprägt hat, ist vor allem eine große Verunsicherung wegen der Corona-bedingten Maßnahmen im Schulbetrieb.

In vielen Gesprächen, die ich in letzter Zeit auch als Personalvertreterin geführt habe, wurde diese Verunsicherung ganz deutlich als solche ausgedrückt: bei Eltern genauso wie bei Lehrerinnen und Lehrern, aber auch bei den Schülerinnen und Schülern. Wie wird der Schulalltag in Zeiten von Corona tatsächlich aussehen können?

Es wird beklagt, dass seitens des Bildungsministeriums und der Bildungsdirektion keine einheitlichen Regelungen ausgegeben wurden. So Manches klinge in der Theorie gut, könne aber in der Realität so nicht umgesetzt werden. Außerdem wird kritisch angemerkt, dass es noch keine rechtlichen Grundlagen (Erlässe o.ä.) dazu gibt.

Obwohl der Schulalltag mit heute zu laufen beginnen sollte, gibt es bei den Lehrerinnen und Lehrern immer noch zahlreiche Fragen, auf die es bis heute keine konkreten Antworten gibt:

Wann gilt ein Kind tatsächlich als „Verdachtsfall“?

Es sollen möglichst kleine Lerngruppen gebildet werden. Was aber, wenn das aufgrund personeller oder auch räumlicher Gegebenheiten gar nicht möglich ist?

Können Sportwochen, Schikurse und ähnliches stattfinden?

Viele Schulen haben aufgrund ihres Schulprofils weitere individuelle Angebote („Freigegenstände“, Exkursionen, Kooperationen mit Betrieben und Institutionen...). Das können sein ein Schulchor, die Schulband, jahrgangsübergreifende Projekte und vieles mehr. Können derartige Angebote wirklich stattfinden? Der Minister stellte das in seiner Pressekonferenz kurz vor Schulbeginn frei. Er sprach davon, dass er sich hier nicht einmischen wolle und das individuell entschieden werden müsse. Vielfach sind solche Angebote jedoch bereits gestrichen worden, sozusagen dem Virus zum Opfer gefallen. Denn LehrerInnen wie DirektorInnen sind es, die letztlich dafür die Verantwortung übernehmen müssen.

Aus Furcht, möglicherweise für eine Verbreitung des Virus verantwortlich zu sein, wird also das schulische Leben vielfach auf ein fachliches Minimum gekürzt und kreative, sportliche, begabungs- und interessensorientierte Angebote fallen zumeist weg. Das, was Schule eigentlich erst lebendig macht. Das, worauf sich die Schülerinnen und Schüler am meisten freuen. Das, was für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen von immenser Bedeutung ist. Jene Bereiche, in denen sie sich entfalten können.

Was wird also in diesem Jahr Schule lebenswert machen? Eine Frage, die seitens der politisch Verantwortlichen niemand zu beantworten wagt.

 

Bei den Eltern ist die Verunsicherung ebenso groß:

Sie wissen nicht wie sie mit einem „schnupfenden“ oder hustenden Kind umgehen sollen. Soll es trotzdem in die Schule gehen oder doch schon beim leisesten Husten zuhause bleiben? Viele haben keinen Überblick mehr, wie die Regelung was Sonderbetreuungszeit betrifft aktuell ausschaut. Die Minister Aschbacher und Faßmann haben dazu einen Elternbrief verfasst, der eigentlich Klarheit und Beruhigung dahingehend bringen sollte. Stattdessen findet man darin teils widersprüchliche, teils einfach nicht korrekte Informationen. Arbeiterkammer und ÖGB haben bereits auf die juristisch nicht vollständigen Aussagen im ministeriellen Brief hingewiesen.